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Geschichte des Kantons Basel-Landschaft – Thema Arbeit (Nebentext)
Ergänzender Artikel zu:
Verlagsarbeit

Geringere Abhängigkeit von Landwirtschaft

Das zusätzliche Bareinkommen, welches die Heimposamenter seit dem 17. Jahrhundert von den Basler Verlegern erhielten, wirkte auf die andern Erwerbszweige zurück. Viele Kleinbauern vernachlässigten ihre Felder zu Gunsten der Arbeit am Webstuhl oder sie stellten auf eine extensive Bewirtschaftung um. Dafür mussten sie die Produkte, die sie nun nicht mehr selber anbauten oder herstellten, vermehrt einkaufen. Sie verringerten den Selbstversorgungsanteil und vergrösserten den Lohnanteil ihres Familieneinkommens. So wuchs der Markt für landwirtschaftliche und handwerkliche Produkte, was Handwerk und Landwirtschaft erlaubte, sich vermehrt zu spezialisieren. Brachte der Bote den Lohn, trugen die Posamenterfamilien alte Schulden ab und deckten sich mit dem Lebensnotwendigen ein. Oft war rasch zerronnen, was eben gewonnen, denn auch mit ihrer neuen Arbeit lebten die ehemaligen Taunerfamilien von Tag zu Tag und von der Hand in den Mund. Sie vertrauten darauf, dass sich eine neue Rechnung, wie man Aufträge damals nannte, einstellen würde. Blieb diese länger aus, kauften sie auf Kredit ein oder halfen bei Nachbarn als Tagelöhner aus. Doch die Bedeutung landwirtschaftlicher Tätigkeit, sei es im eigenen Kleinstbetrieb oder bei Bauern, sank. Damit lockerte sich die Abhängigkeit der Posamenterfamilien vom Boden. Die jungen Erwachsenen, die einen Webstuhl bedienten, konnten nun früher und ohne eigenen Boden heiraten. Sie würden «auf einen Stuhl hin heiraten», bemerkten die Zeitgenossen zur neuen Heiratspraxis.

Zum Thema

Arbeitswelten - ein Beispiel aus dem 20. Jahrhundert

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