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Geschichte des Kantons Basel-Landschaft – Identitätsfragen (Nebentext)
Ergänzender Artikel zu:
Vereinslandschaft

Flötenkonzert auf dem Tanzboden

Im 19. Jahrhundert veränderte sich die bäuerlich-handwerkliche Kultur des Baselbiets unter dem Einfluss bürgerlicher Werte und Normen stark. Einen einmaligen Einblick in diese Entwicklung gibt das Tagebuch Arnold Baaders. Bis zum Ende seines Studiums 1863 füllte der Gelterkinder Arztsohn drei Bändchen mit Aufzeichnungen über seinen Alltag, über Arbeitserfahrungen, Feste, Schulerlebnisse.(1) 1857 zog Baader in die Stadt und immer stärker begann der junge Student, sich an den Sitten seiner dörflichen Altersgenossen zu stossen. Er regte sich auf über die jugendlichen Gelterkinder, die «soffen wie Kälber»: «Die ältern Knaben gehen von einem Wirtshaus zum andern und langweilen sich, die jüngern langweilen sich auch, dito die Töchter in corpore.» Arnold Baader setzte sich deshalb zum Ziel, jene verfeinerte Geselligkeit, die er in der Stadt Basel kennen gelernt hatte, in Gelterkinden einzuführen. Er sorgte dafür, dass auf der Allmend ein Turnplatz erstellt wurde, und amtete als erster Präsident des 1864 gegründeten Turnvereins. Auf dem Tanzboden führte er gymnastische Übungen vor, sein Bruder rezitierte Gedichte. Dem Männer- und Gemischtenchor Gelterkinden brachte er für ein Konzert die Kindersymphonie von Haydn bei. Er selbst führte ein Flötenstück mit Klavierbegleitung auf. Oft endeten diese Veranstaltungen aber in den gewohnt ausgelassenen Tanzabenden und Trinkgelagen. Unwillig kritisierte Baader die Unbildung des Publikums, welches sich bei der Aufführung von Schillers ‹Kabale und Liebe› vor allem an den Liebesszenen erfreute.

(1) Eduard Strübin: Das Schüler- und Studentenleben eines Baselbieters vor 120 Jahren. Aus den Tagebüchern des Arztes Dr. Arnold Baader, Gelterkinden, in: Baselbieter Heimatbuch 14, 1981, S. 93-131

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