Heimarbeit neben Fabrikarbeit
Die Herstellung der Seidenbänder in der Fabrik hatte im 19. Jahrhundert an Bedeutung gewonnen. Aber die traditionelle Heimposamenterei, das Weben auf handbetriebenen Webstühlen in den Wohnungen der Posamenterfamilien, hatte sich noch nicht verdrängen lassen. Die Heimposamenterei war im Baselbiet seit dem 18. Jahrhundert verbreitet, und zunächst gedieh Neues neben Altem. Als in Basel die ersten Fabriken entstanden, betrug die Zahl der Heimarbeiterstühle auf der Landschaft 3500 und war im Steigen begriffen. In den Sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts war der Höchstbestand an Heimwebstühlen erreicht. 1871 rapportierte der Regierungsrat in seinem Amtsbericht einen Bestand von 4467 Heimwebstühlen. Seither nahmen nur noch die Fabrikwebstühle zu.(1) Für 1880 zählte A. Koechlin-Geigy in einem Vortrag, den er am 16. Dezember 1883 vor der Statistischen Gesellschaft in Basel hielt, insgesamt 6309 Webstühle. Davon standen 4909 im Kanton Basel-Landschaft, 1023 in der Stadt Basel und 377 in den übrigen Kantonen der Nordwestschweiz. Schätzungsweise dürften zwischen einem Viertel und einem Drittel der Webstühle damals in Fabriken gestanden haben, wobei der Anteil der Fabrikstühle in der Stadt höher, auf der Landschaft tiefer gelegen haben dürfte.(2) In den Achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts war der Höchstbestand an Webstühlen zu verzeichnen. In den folgenden Jahren sank ihre Zahl wieder. 1908 erhob Emil Thürkauf im Rahmen einer Untersuchung in der ganzen Region 4057 Heim- und 3090 Fabrikstühle. Nur noch 3512 davon standen im Kanton Basel-Landschaft.(3)
(2) Schätzung aufgrund von: Franziska Lauper: «Ich habe nur ein Stränglein von der Rechnung genommen und zusammengespart». Seidenveruntreuung und illegaler Seidenhandel in der Basler Bandindustrie anhand des Seidenprozesses von 1828/1829, Basel 1992, S. 15
(3) Emil Thürkauf: Verlag und Heimarbeit in der Basler Seidenbandindustrie, Stuttgart 1909, S. 76
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