Ergänzender Artikel zu:
Gegen die Fremden

Unterschiede unter Migranten

Die italienische Kolonie, die 1910 in Basel um 4600 und im Kanton Basel-Landschaft um 3000 Köpfe zählte, war äusserst unterschiedlich zusammengesetzt. Die Konfliktlinie zwischen national gesinnten Leuten einerseits, sozialistisch oder republikanisch denkenden Kräften andererseits beschreibt nur einen zentralen Unterschied innerhalb der italienischen Gruppe. Andere Differenzen ergaben sich aus der unterschiedlichen Herkunft und Verweildauer in der Schweiz. So standen beispielsweise junge Italiener, die aus ländlichen Gegenden stammten und erst vor kurzer Zeit in die Schweiz eingewandert waren, älteren Landsleuten städtischer Herkunft gegenüber, welche sich schon länger oder mehrfach in der Schweiz aufgehalten hatten. Es gibt Hinweise darauf, dass die ländlich geprägten Italienerinnen und Italiener von ihren eigenen Landsleuten abschätzig behandelt wurden und dass erstmals in der Emigration lebende Männer schlecht in die italienische Kolonie und ihre Vereine eingebunden waren. Sie trafen sich nicht in den Vereinslokalen, sondern auf Bahnhöfen. Dabei war zum Beispiel Muttenz günstiger als der Hauptbahnhof Basel. Denn auf der Landschaft waren die Polizeikontrollen seltener und weniger streng als in der Stadt.(1)

(1) Peter Manz: La diaspora italiana di Basilea alla vigilia della Prima Guerra mondiale rivisitata con l’aiuto dei (controversi) fatti di Muttenz, in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte 48, 1998, S. 41-72
Autor: Ruedi Epple; Redaktion: Daniel Hagmann
www.geschichte.bl.ch, Kategorie: Gesellschaft, Rundgang: Vielfältige Lebenslagen
Dieser Text stammt aus: Nah dran, weit weg. Geschichte des Kantons Basel-Landschaft, Band sechs, Liestal: Verlag des Kantons Basel-Landschaft 2001 (Kapitel Vielfältige Lebenslagen, S. 65-82).
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Abstimmungsplakat, 1970

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Volkstag in Muttenz, 1964

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