Ergänzender Artikel zu:
Wohnungsnot

Wohnen im Industriezeitalter

Der Wohnungsbau in Basel hatte mit dem steten und raschen Wachsen der Betriebe nicht Schritt gehalten. Die Verhältnisse waren äusserst beengend. Wo man irgendwie schlafen konnte, war ein Schlafplatz eingerichtet: unter Keller- und Estrichtreppen, in Kammern unter dem Dach. Kleine Kinder schliefen mehrere gleichzeitig in einem Bett, die kleinsten auch in den Schubladen von Kommoden. Familien, die ohnehin schon mit sehr wenig Räumen auskommen mussten, vermieteten ein Zimmer noch an Fremde weiter, um so einen Teil der Miete wieder zu bekommen. Wenn ein weiteres Kind unterwegs war, zog man in eine kleinere Wohnung, um Geld zu sparen. Besonders billig war das Trockenwohnen irgendwelcher Neubauten, die eigentlich noch nicht hätten bewohnt werden dürfen. Die Wohnungsfrage war ein drängendes Problem des 19. Jahrhunderts. Einige Unternehmer kamen auf die Idee, sich das Beispiel der Cité ouvrière in Mülhausen zu Eigen zu machen und Arbeiterhäuschen auch im Raum Basel zu erstellen. Ökonomisch konnten diese nie die ganze Menge der Wohnungsuchenden absorbieren. Aber als Verkörperung dessen, was durch eigene Ordnung, Fleiss und Reinlichkeit erreicht werden könne, hatten sie eine grosse Prägekraft. In Dörfern der Landschaft war diese Siedlungsform weniger ausgeprägt als in der viel engeren Stadt. Doch zeigen die Schappe-Siedlung in Arlesheim, das Freidorf in Muttenz und die Arbeiterhäuser in Grellingen, dass auch fernab der Stadt Arbeitersiedlungen gebaut wurden.

Autor: Martin Leuenberger; Redaktion: Daniel Hagmann
www.geschichte.bl.ch, Kategorie: Wirtschaft, Rundgang: Anfänge des Industriekantons
Dieser Text stammt aus: Nah dran, weit weg. Geschichte des Kantons Basel-Landschaft, Band fünf, Liestal:Verlag des Kantons Basel-Landschaft 2001 (Kapitel Die Industrialisierung, S. 9-26).
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