Verwaltung der Armut
Die Staaten konnten im 19. Jahrhundert nicht zu einer die Wurzeln des Problems anpackenden Sozialpolitik greifen. Für die Behebung der Armut übernahmen sie keine Verantwortung. Indessen definierten sie den Geltungsbereich des Begriffs Armut und damit jene Gruppen, welche als arm zu gelten hatten. Die Staaten und die Kantone konnten bloss die Zuständigkeit für die Verwaltung der Armut regeln. Im 19. Jahrhundert kam in dieser Frage ein ausgeprägter Kommunalismus zum Zuge, nicht nur im Baselbiet. Es gab wohl in dieser Epoche kaum eine wichtigere Institution als die Armenkasse der Gemeinden. Die Verwaltung der Armut lag bis ins 20. Jahrhundert in der kommunalen Verantwortlichkeit. Sie wurde umso schwieriger, je mehr sich die liberale, am Arbeitsmarkt sich orientierende Gesellschaft entwickelte. Arbeit und Lohn galten immer stärker als allein glücklich machende Massstäbe, versinnbildlicht im Spruch, der die Untere Fabrik in Sissach zierte: «Schaffen und streben, Arbeit heisst Leben». Je schwächer ständische, verwandtschaftliche und dörfliche Verbindungen wurden, umso mehr mussten sich die Gemeinden um jene kümmern, welche aus diesen sich auflösenden Netzen herausfielen. Anderseits musste der Staat darauf achten, dass das Prinzip Arbeit nicht durch die Wohlfahrt ausgehebelt wurde. Arbeits- und mittellos zu sein, durfte auf keinen Fall als attraktiv erscheinen.
Ergänzende Texte zum Thema
Zum Thema: Weitere Texte aus anderen Rubriken
Zu dieser Zeit: Weitere Texte aus anderen Rubriken
Derselbe Ort: Weitere Texte aus anderen Rubriken
Erste Siedlungen
Siedlungsformen
Johann Jakob Buser: kein Blatt vor dem Mund
Johann Ritter: die demokratischen Rechte stärken
Heinrich Völlmin: für die Demokratie agitieren
Otto Kopp: Grundlagen für die Bildungsreform
Siegeszug der Elektrizität
Der Posamenterstreifen
Die ersten Seidenbandfabriken
Fabrikbesichtigung
Die «Fadelängermaitli»
Professionalisierung
Beruf Bauer
Suppenküche für die Armen
Essen gegen Arbeit
Von der Bäckerei zur Fabrik
Gewerbe– oder Industriebetriebe
Von der Selbsthilfe zum Klassenkampf
Das Baselbiet wird neu vermessen
Ein erster Aufstand
Blutige Bilanz
Das Unglück am Hauenstein
Der Bau der Eisenbahnlinie Basel-Olten
Der Gemeindejoggeli-Putsch
Frauen fordern Gleichberechtigung
Wahlkreise
Die Opposition organisiert sich
Strukturwandel und neue Staatsaufgaben
Veränderung des Wahlkampfs
Landflucht
Krankenhaus und Klinik
100 Kinder pro Klasse
Benachteiligung der Lehrerinnen
Naziorganisationen im Baselbiet
Eisenbahnnetz
Mehr Strassen, mehr Verkehr
Ausbau des Autobus-Liniennetzes
Pläne für Schmalspurbahnen
Auslagerung der Arbeitsplätze
Zucht und Anstand
Regionale Produktion für den Fortschritt
Flächendeckende Modernisierung
Zusammenprall von Kulturen
Katholiken in Sissach
Gründung einer katholischen Diaspora
Missionsstationen im Baselbiet
Vereinskultur
Hutzgüri
Stadt und Land
Idealisierung der Vergangenheit
Konstruktion von Identität
Vom Grenzbrauch zum Familienausflug
Patriotische Gesänge
Vorreiterrolle
Moderne Kunst
Kunstkredit und Kunstverein
Dezentrale Zentren
Verbreitung und Veränderung des Brauchtums
Lokale Initiativen
Arbeitsteilung
Grundlagen für Wachstum
Regelung der Arbeitszeit
Augenschein in einer Fabrik



